Archiv für den Monat: Dezember 2009

Die DB und die junge Liebe

Bekanntlich wiederholt sich Geschichte nicht, aber immer wieder enthüllt sie neue, meistens sogar unangenehme Überraschungen. Stets versuchte ich, wenn ich am Samstagabend in einem Nahverkehrszug saß, dem eiskalten Klumpen in meinem Bauch keine Aufmerksamkeit zu schenken – immer war es vergeblich gewesen. Denn schon immer war Pünktlichkeit für die Bahn ein Tabuwort, und so stand meine Beziehung unter einem ganz schlechten Stern.

 

Auch damals, als die 1970-er Jahre noch in der Nuckelphase steckten, hatten die Züge im Ruhrgebiet nichts Besseres zu tun, als zehn, 30 oder 60 Minuten zu spät zu kommen. Und ich war auf die DB angewiesen, denn meine Freundin, genauer gesagt, es war meine erste große Liebe, wohnte in Bottrop-Vonderort, ich in Herne, was ungefähr 30 Kilometer entfernt war. Und einen eigenen fahrbaren Untersatz besaß ich noch nicht, von der Fahrerlaubnis ganz zu schweigen. So standen wir Samstag für Samstag ein bisschen verlegen am Bahnhof herum, schauten verträumt zur nahen Baustelle für die „A 42“ und ich seufzte: „Ach, wenn ich erst mal mit dem Wagen komme kann und die Autobahn fertig ist …“

 

Für den Heimweg gab es zwei Varianten: Neben dem Weg über Essen (und von dort aus weiter mit dem „Donau-Kurier“), konnte ich auch mit einem Nahverkehrszug nach Oberhausen fahren, um dort in den „Hellas-Express“ einzusteigen. Allerdings: In Essen und Oberhausen war stets Schluss mit lustig gewesen: Die Fernverbindungen aus Wien bzw. Athen waren immer unpünktlich, und diese Verzögerungen brachten mich in meiner Heimatstadt richtig in den Schlamassel. Ständig verpasste ich den letzten Bus nach Herne-Sodingen und musste drei Kilometer zu Fuß gehen.

 

Nach einem halben Jahr schlug das Schicksal abrupt ein neues Thema an: Zwar brauchte ich nicht mehr mit dem Zug zwischen Bottrop und Herne zu pendeln – ich hatte den Führerschein in der Tasche, und es stand sogar schon ein eigener Wagen (VW-Käfer) vor der Tür. Doch in meinem Kopf drehte sich noch immer alles und meine Knie waren butterweich, als ich zur Eröffnung der neuen Autobahn fuhr. Eine gute Woche zuvor – ich wusste damals nicht, wieviel Zeit vergangen war – hatte meine Freundin mit mir Schluss gemacht: „Du bist nie richtig bei der Sache.“ Das war der Wahrheit wahrscheinlich ganz schön nahe gekommen. „Ach so, ja“, war damals meine Reaktion gewesen, als wäre Schlussmachen kein Problem für mich, aber in Wirklichkeit spürte ich, wie mir das Blut aus den Adern wich.

 

Mir war es einfach nicht vergönnt gewesen, an Samstagen auf zugigen Bahnsteigen in Bottrop-Vonderort, Essen oder Oberhausen zu stehen. Und überhaupt.

Alf Rolla

 

 

Jubel in der Oberhausener Arena

In der Oberhausen-Arena wurde gejubelt, als die beiden Gewinner der aktuellen Popstars-Staffel dort auftraten. Vanessa und Leo alias „Some & Any“ dürften in der Finalshow noch einmal viele neue Fans dazu gewonnen haben. Das gilt auf jeden Fall solange, bis auch diese Sternchen der Casting-Industrie wieder vergessen sein werden. Aktuell wurde aber gejubelt. Die Fans waren bereits immerhin 50 Cent pro Anruf vom Handy auszugeben, um für die beiden Favoriten zu voten. Man darf gespannt sein, was die Zukunft für die beiden neuen „Popstars“ bringt.